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Verbessern professionelle Dolmetscher die medizinische Versorgung? PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. März 2010 um 16:09 Uhr

Zum Stand der Forschung in den USA

reviewUSARund 21 Millionen US-Amerikaner beherrschen die englische Sprache nur mangelhaft. Dies führt zu Problemen bei der Gesundheitsversorgung, denn eine Verständigung zwischen Patienten und medizinischem Personal ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. In Krankenhäusern und in der ambulanten Versorgung werden Laiendolmetscher, professionelle Sprachmittler oder muttersprachliches Personal eingesetzt, um diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Auch die Wissenschaft hat sich mit der Thematik ausgiebig beschäftigt – die Menge der Fachpublikationen wächst ständig an. In zwei Übersichtsarbeiten haben sich Forscherinnen die Mühe gemacht, sämtliche Veröffentlichungen aus dem medizinischen Bereich auf die Frage hin auszuwerten, welchen Effekt professionelle Dolmetscherdienste auf die Qualität der Versorgung haben.


Positive Effekte auf Versorgungsqualität, Behandlungserfolg und Patientenzufriedenheit


Glenn Flores vom Medical College in Wisconsin durchsuchte fünf Datenbanken und fand 2.640 Artikel aus den Jahren 1966-2003 zum Thema Gesundheitsdolmetschen. Viele davon wiesen nach, dass die Qualität der Versorgung leidet, wenn Patienten Dolmetscher benötigen, sie aber nicht bekommen. Doch dieses Problem war schon bekannt, es ging dem Forscher um die Wirksamkeit der Lösungen. In 36 Studien wurde er fündig: Sie enthielten empirische Daten zur Versorgungsqualität, Patientenzufriedenheit und zum Behandlungserfolg. Das übereinstimmende Ergebnis war, dass ausgebildete professionelle Dolmetscher ebenso wie zweisprachiges medizinisches Personal messbare positive Effekte auf alle drei Bereiche haben. Dagegen schnitten Laiendolmetscher, die in den weitaus meisten Fällen bei der Behandlung hinzugezogen werden, schlechter ab. Die Versorgungsqualität war in diesen Fällen niedriger und es kamen häufiger Fehler beim Dolmetschen vor. Einige Studien warnten vor ernsthaften Folgen inadäquatem Dolmetschens für Patienten mit psychischer Krankheit.


Studien warnen vor Einsatz von Laiendolmetschern bei psychischer Krankheit


Die zweite Literaturstudie stammt von Leah Karliner aus dem Medical Effectiveness Research Center for Diverse Populations der Universität von Kalifornien in San Francisco und ihren Kolleginnen. Sie verfolgten eine ganz ähnliche Fragestellung, beschränkten sich jedoch auf den klinischen Bereich. Zwei Jahre nach Flores fanden sie 3.698 Artikel zum Thema, 21 Studien erfüllten alle Suchkriterien. Sie enthielten empirische Vergleiche zwischen professionellen und ad-hoc-Dolmetschern in den Bereichen Kommunikation (Fehler und gegenseitiges Verstehen), Zugang zur klinischen Versorgung, Behandlungsergebnis und Patientenzufriedenheit. Wiederum konnten zwischen professionellen Dolmetschdiensten und Laiendolmetschern Qualitätsunterschiede nachgewiesen werden. Die ausgebildeten Dolmetscher verbesserten die Qualität in allen vier gemessenen Bereichen so sehr, dass nur noch schwache bis gar keine Unterschiede mehr zwischen den Patienten mit und ohne sprachlichen Verständigungsproblemen festgestellt werden konnten.

Quellen:

Flores, Glenn (2005): The impact of medical interpreter services on the quality of health care: A systematic review. In: Medical Care Research and Review; 62 (3): 255-299.

Karliner, Leah S. u.a. (2007): Do Professional Interpreters Improve Clinical Care for Patients with Limited English Proficiency? A Systematic Review of the Literature. In: Health Services Research; 42 (2): 727-754.

 
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