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Leitfaden für Ärzte: Dolmetscher im Patientengespräch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mariska Kistemaker   
Montag, 12. Juli 2010 um 09:35 Uhr

Ärzte lernen, mit Dolmetschern umzugehenEine gelungene Arzt-Patient-Kommunikation ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Sprachbarrieren können mithilfe eines professionellen Dolmetschers überwunden werden. Was man als Arzt beim Hinzuziehen eines Dolmetschers beachten sollte, erläutern die beiden US-Amerikaner Ethan S. Wiener und Maria I. Rivera im Fachmagazin „Clinical Pediatric Emergency Medicine“.

Wer eignet sich als Dolmetscher?

Oft werden Familienmitglieder, Freunde oder Mitarbeiter für eine Dolmetschertätigkeit hinzugezogen. Davon raten die Autoren jedoch aus verschiedenen Gründen ab: Zahlreiche Studien belegen, dass das Einsetzen von Laiendolmetschern zu Auslassungen, Ergänzungen oder auch Fehlinterpretationen führen kann. Das wirkt sich auf den Behandlungserfolg aus. So werden häufig von Familienmitgliedern oder Bekannten Informationen vorenthalten, um den Patienten vor schlechten Nachrichten zu schützen.

Zum Thema:
Langjährige Erfahrungen mit Dolmetschern in der Schweiz sind in dem 60-seitigen Praxisleitfaden "Mit anderen Worten. Dolmetschen in Behandlung, Beratung und Pflege" verarbeitet. Sie können ihn auf der Homepage der Unikliniken Genf herunterladen.
=> Direkt-Download (externer Link)

Besonders ungeeignet als Dolmetscher sind Kinder. Die Verantwortung, die ihnen auferlegt wird, kann zu Verwirrungen in der Eltern-Kind-Beziehung führen. Sie lösen neben den Sprachbarrieren und der Krankheit zusätzlichen Stress beim Patienten aus

Ein großes Problem bei Dolmetschern, die aus dem Umfeld des Patienten stammen, liegt in der Vertraulichkeit des Gesprächs. Da diese nicht mehr gewährleistet ist, hält sich der Patient möglicherweise zurück. Themen wie Sexualität, Drogenkonsum oder Missbrauch können kaum angesprochen werden.

Daher ist es notwendig, einen professionellen Dolmetscher entweder vor Ort oder telefonisch einzusetzen, der neben den Sprachen vor allem auch medizinische Grundkenntnisse und Kulturkenntnisse vorweisen kann.

Was ist während eines Patientengesprächs zu Dritt zu beachten?

Grundlage für ein erfolgreiches Patientengespräch ist eine möglichst klare Gesprächssituation ohne Ablenkungen durch den Dolmetscher. Dazu ist es hilfreich, ihn bereits vorab über die äußeren Umstände aufzuklären, beispielsweise über Thema, Ziel und absehbare Länge des Gesprächs. Er sollte auf die absolute Vertraulichkeit der Informationen hingewiesen werden und auf die Notwendigkeit, so präzise wie möglich zu übersetzen.

Um dem Patienten Verunsicherung und Zweifel an der Vertraulichkeit zu ersparen, empfehlen die Autoren, alle Anwesenden vorzustellen und die Rolle des Dolmetschers zu erläutern. Während des Gesprächs sollte die Beziehung zwischen Arzt und Patient im Vordergrund stehen: So sitzen sich im Idealfall Arzt und Patient gegenüber, der Dolmetscher leicht nach hinten versetzt - neben dem Patienten. Diese Positionierung ist vorteilhaft, da der Arzt den Patienten besser beobachten und außersprachliche Signale wahrnehmen kann.

Der Arzt kann dem Dolmetscher das Übersetzen erleichtern, indem er die Fachsprache vereinfacht und sich in kurzen, klaren Sätzen ausdrückt. Laut Wiener und Rivera sollte er den Patienten immer direkt ansprechen, also nicht mit dem Dolmetscher über den Patienten in der dritten Person sprechen.

Und für alle drei Gesprächsteilnehmer gilt: Fragen und Wiederholungen gewährleisten das gegenseitige Verständnis und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.

Quelle: Wiener, Ethan S. / Rivera, Maria I. (2004): Bridging Language Barriers: How to Work With an Interpreter. In: Clinical Pediatric Emergency Medicine, 5. Jg., Heft 2, S. 93-101.

 
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